Sender der Einheit

MEIN DLF Sender der Einheit

Erinnerungen an Hörerlebnisse hüben und drüben

von Marco Bertolaso

Der Deutschlandfunk war ab 1962 der Sender der deutschen Einheit - und er ist es nach 1990 geblieben. Menschen aus der ehemaligen DDR haben uns in ihren Zuschriften teilhaben lassen an der Bedeutung, die der Sender für sie vor der Wende hatte. Sie haben uns aber auch hingewiesen auf den Stellenwert nach der Einheit, dann als Lotse in den schwierigen Zeiten des Umbruchs. Doch auch aus der alten Bundesrepublik kamen zahlreiche Mails, in denen die Rolle des "Einheitssenders" aus westlicher Sicht deutlich wird.

Für viele Menschen zwischen Rügen und der Lausitz waren die Stimmen aus Köln Orientierung und manchmal auch Anlaß zur Hoffnung. Nicht wenige dieser Hörerinnen und Hörer riskierten jeden Tag Strafen. Manch einer musste tatsächlich ins Gefängnis, nur weil er den Deutschlandfunk gehört hatte. Generell stellte der DLF hüben wie drüben eine wichtige Verbindung für Familien und Freunde dar, die Mauer und Stacheldraht brutal getrennt hatten.
 

Mein DLF - Sender der Einheit

Stefan Böhmer, Bad Aibling  "Ich bin 41 Jahre alt, lebe in der Nähe von München mit meiner Frau und 2 Kindern. Ich wurde in Dresden im "Tal der Ahnungslosen" geboren, höre bewusst seit ca. dem 14. Lebensjahr nahezu täglich den Deutschlandfunk. Vor dem Mauerfall bin ich nach vielen Repressalien aus der DDR ausgereist, habe dann in Deutschland und im Ausland Medizin studiert. Der DLF war und ist mein Lebensbegleiter. Täglich höre ich Ihn, beziehe so viele meiner Informationen über den Äther. Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich schon im Osten an den "Feindsender" herangeführt haben. Ich erinnere mich unter anderem an die täglichen Berichte von ge- und misslungenen Fluchtversuchen an der innerdeutschen Grenze."

Volker Walter "Bärbel Bohley und Wolf Biermann sprachen im von mir sehr geschätzten Parallelinterview im Oktober 1989  miteinander. Mein Eindruck war, dass Frau Bohley mutiger als Wolf Biermann sprach. Sie hat ihn aufgemuntert. Das war für mich (nach den Nachrichten über die Grenzöffnung Ungarn Österreich, und dem Halbsatz auf der Prager Botschaft von Herrn Genscher sowie den Berichten von der Ankunft der Botschaftsflüchtlinge in der BRD) der Auslöser, auf eine Deutsche Einheit zu hoffen. Herzlichen Dank an den Sender der deutschen Einheit."

Andreas Petzold "Ich bin 55 Jahre alt und wenn schon nicht seit meiner Kindheit, so ist Ihr Sender seit frühester Jugend mein Begleiter, welcher mir besonders in finsteren DDR-Zeiten Stütze und Informationsquelle war. Die absolut, absolut, absolut wichtigste Radiosendung der Woche war für alle Jugendlichen meiner Region die "Deutschlandfunk-Hitparade". Die Tonbandgeräte und später Kassettenrekorder waren stets empfangsbereit um von Ihrer Mittelwellenfrequenz mitzuschneiden. (...) Während meine Brüder und ich bereits damals genau wussten wo die Grenzlinien lagen, ab denen das System brutal zuschlug, so gab es an unserer Schule naturgemäß auch politisch naive Zeitgenossen, für die eine Überwachung des Postverkehrs in die "imperialistische BRD" außerhalb des Denkkreises lag. Begeistert für zunächst Beat- später Rock- und Popmusik beteiligten sie sich brieflich an den Abstimmungen zu Ihrer Hitparade. Die Briefe (alle???) wurden selbstverständlich abgefangen und geöffnet. Das Ergebnis waren Bloßstellung vor den Klassenkameraden, Demütigungen, Schulverweis - und damit der Abschied von jeglicher akademischer Bildung. Berufswege und Lebensplanungen wurden somit aus Liebe zu der von Ihnen ausgestrahlten Musiksendung zerstört. Vielleicht ergibt sich in Ihrer Rückschau auch einmal die Gelegenheit an die Menschen zu denken, die leiden mussten, weil sie Ihren Sender hörten."

Horst Kottenhagen, Berlin "1965 wurde ich zur Volksarmee eingezogen und an die Grenze nach Hanum in Sachsen-Anhalt gestellt, wo ich am 24.12.65 fahnenflüchtig in Richtung Niedersachsen wurde. In diesem Ort waren gut zu empfangen nur 2 Sender: Auf UKW: BFBS (für die angesagte Musik) Auf MW: DLF für die ungefilterten Informationen. Anfangs waren private Radios noch erlaubt. Natürlich nur, um damit DDR-Sender zu hören. Wenn jemand auf der Stube beim hören von „Westsendern“ erwischt wurde, wurden der Hörer und der Besitzer des Radios bestraft und das Radio eingezogen. Deshalb stand für den Empfang (für die ganze Kompanie) nur das Radio im Clubraum zur Verfügung. Wenn man dort alleine war, konnte man dort kurzzeitig DLF hören. Allerdings nur mit einer Hand am Senderverstellknopf, falls ein Offizier oder Unteroffizier den Raum betreten würde."

Lothar Tautz, Heldrungen "Tatsächlich: Ohne diesen Sender wäre die DDR nicht zu ertragen gewesen. (Fast) jeder Tag lief bei mir und vielen anderen aus meinem Familien- und Freundeskreis auf die Nachrichtensendung um 23:30 Uhr hin. Die Erkennungsmelodie habe ich jetzt noch in den Ohren. Danach wusste ich, was in der Welt los war und konnte beruhigt oder beunruhigt aber informiert einschlafen. Bis 1988 war damit Kräfte sammeln für den Alltag im real existierenden Sozialismus angesagt, dann für den Umsturz. Zu Beidem haben Sie entscheidend beigetragen. Und heute? Ohne diesen Sender wäre die Rundfunklandschaft in der BRD nicht zu ertragen."

Christine Schönherr Bad Soden - Salmünster "Als ehemalige DDR Bürgerin ( bis 1995 wohnhaft in Jena gegenüber der Sowjetischen Garnison ) fühle ich mich dem Sender auch heute noch in Hessen sehr verbunden. Ihre Sendefrequenz war zum Glück so stark, dass ich Ihre Sendungen einigermaßen verständlich (Störsender) empfangen konnte. Ihr Sender war für mich eine der wichtigsten Informationsquellen. Noch heute denke ich an die gut verständliche "Aufklärung" über das vollkommen andere Staats- und Verwaltungssystem nach der Wiedervereinigung zurück. Ihre Redakteure fanden den richtigen Ton, um uns das Hineinwachsen ins Gesamtdeutschland zu erleichtern. Ich wünsche dem Sender weiterhin eine geschickte Auswahl bei der Anstellung der Mitarbeiter."

Burkhard Thiel, Döttesfeld "Mitte der 60-er Jahre. Als Jugendlicher waren die Schlager- und Rockmusiksendungen, die damals als zwischen 16.00 bis 19.00 Uhr die Lücken füllten, sehr wichtig. Später zog ich zu meiner Ausbildung von Thüringen nach Greifswald. Auch wohnte ich in einem Lehrlingswohnheim. Dort war der Empfang westlicher Sender verboten. Obwohl ich schon 18 Jahre war, zogen die Erzieher mehrmals mein kleines russisches Transistorradio (Typ Orbita mit Mittelwelle und Kurzwelle) ein. So verlagerte ich meine Hörgewohnheiten ins Freie. Bei Spaziergängen am Greifswalder Bodden konnte ich ganz gut Radio hören. (...) Bis zu meiner Flucht über Ungarn zusammen mit meiner Familie im Oktober 1989 war der Deutschlandfunk die wichtigste Informationsquelle. 1988 und 1989 kam es in meiner Firma in den Pausen oft zum Gemeinschaftsempfang des Deutschlandfunks. Wir hörten mittags die Telefoninterviews mit politischen Dissidenten in der DDR. Das waren angespannte Monate in der DDR.  Nach meiner Flucht aus der DDR besuchte ich den Deutschlandfunk im Kölner Funkhaus. Es kam zu einer interessanten Begegnung mit dem damaligen Technischen Direktor. In Zeiten des Formatradios mit Werbelärm ist der Deutschlandfunk das Radio überhaupt."

Wolfgang Wersig, Bad Harzburg "Ich möchte gerne darauf aufmerksam machen, dass der DLF auch in den Zuchthäusern der DDR illegal gehört wurde, auch wenn darauf Zuchthaus stand. Ich hatte das Glück in Torgau, Waldheim, Bautzen, Brandenburg und Bützow einzusitzen, Sender wurden immer gebastelt, die Langwelle machte den Empfang nicht leicht. Seit 1964 bin ich DLF Fan."

Eckhardt Schmidt, Borkheide "Damals, zur Geburtsstunde Anfang 1962, war ich 15 Jahre alt und hatte noch keine Möglichkeit, den DLF in der damaligen DDR zu hören. Mein erstes Radio leistete ich mir mit 18 Jahren, um noch näher am Tagesgeschehen zu sein. Ich wollte über den zugelassenen Rahmen Informationen hören und versuchte, noch mehr Sender, außer RIAS und SFB zu erkunden. Dann plötzlich, ein Sender auf Mittelwelle, noch von starkem Rauschen beeinträchtigt, informierte über Deutschland und die Welt. Das  gefiel mir so gut, dass von da an ich merkte: es gibt Informationen mit vielem Hintergrund außerhalb der offiziellen Berichterstattung der DDR-Presse. Heimlich, und ohne jemandem etwas davon zu sagen, begann mein Tag mit den Nachrichten des DLF. Ich fühlte mich einfach besser, aktueller und umfassender informiert. Besonders gern verfolgte ich die Übertragungen von Debatten aus dem Deutschen Bundestag, damals noch in Bonn. Leider gab es wenig Freunde in der DDR, mit denen man sich darüber austauschen konnte, so behielt ich mein Geheimnis für mich und wenn es im Arbeitskollektiv zu Diskussionen kam, wunderte sich mancher Kollege über meinen hohen Informationsstand und politische Zusammenhänge.(...) Für mich war der DLF ein kleines Fenster in der politischen Mauer, durch das ich nicht hindurchsehen, jedoch gut hören konnte. Andere gebrauchen das Wort, von der menschenverbindenden Brücke zwischen Ost und West, was auch stimmt."

Hans Dietrich Knoth "Als ich meine Frau kennen lernte, stellte sich heraus, dass das Hören des DLF eine unserer Gemeinsamkeiten war. Ich möchte dem DLF das ernst gemeinte, große Kompliment machen, dass Sie uns damaligen DDR-Bürgern die anhaltende Möglichkeit gaben, an dem, was in der alten Bundesrepublik vor sich ging, ständig frisch beteiligt zu sein. Andererseits war der DLF immer bemüht, sich selbst ein zutreffendes Bild über unsere Verhältnisse zu schaffen, auch wenn bei Ihren jetzt gesendeten Ausschnitten ein - uns damals weniger bewusster -  missionarischer Impetus und ein Kalter-Krieg-Bewußtsein  zu Tage tritt. (...) Ich bilde mir ein, dass ich einen hohen Prozentsatz meiner - vor allem politischen - Bildung Ihnen verdanke. Sie haben mein - sicher angelegt gewesenes - politisches Interesse stark gefördert , was mir zwar damals angesichts unserer umgebenden politischen Verhältnisse oft ein etwas virtuelles Gefühl vermittelte, aber doch die Grundlage dafür legte, dass ich mich in der Friedlichen Revolution engagierte und zwar in meinem Dienstverhältnis bei der ev. Kirche blieb, aber z.B. "nebenbei" sächsischer Verfassungsrichter wurde. Zur "Muttermilch" unserer drei Kinder gehörte der DLF ganz selbstverständlich (zum Fernsehen hatten wir uns erst spät entschlossen und dann war das hier in Chemnitz bzw. Karl-Marx-Stadt meist nur in minderer Qualität zu haben). Die Gemeinsamkeit im ständigen Hören des DLF gehört nun mittlerweile auch zur Selbstverständlichkeit mit unseren drei Kinderfamilien - zweien davon "im Westen".

Christoph Messerschmidt, Lengenfeld "Es ist mir eine große Freude dem DLF zum 50. Geburtstag zu gratulieren. Rückblickend muss man wohl sagen, Sie waren immer ein sachlicher Informant und haben uns ehemalige DDR-Bürger gut informiert, so wie die Welt wirklich war. Natürlich ist jede Sicht auf die Dinge der Zeit relativ.  Manche behaupten  ja noch heute, der DLF wäre ein Sprachrohr bestimmter Kreise und er würde auch nicht unparteilich informieren. Deutschlandfunk, da fällt mir gleich ein die Sendung von mir zu dir, die es ja nun leider schon lange nicht mehr gibt. Diese Sendung strahlte immer eine gewisse Feierlichkeit aus, und wir hörten sie auf Mittelwelle 549 Khz immer mit Gleichkanalstörungen von Radio Moskau. Gundula Kellner durfte immer die Grüße übermitteln, aber was mag wohl aus den männlichen Sprechern geworden sein? Die sind wohl alle in Rente. Ihre Stimmen waren irgendwie einprägend und  der eiserne Vorhang trennte uns voneinander. In meiner Stasiakte werden sie sogar erwähnt, dass ich als Jugendlicher an den DLF geschrieben habe um meine Großmutter grüßen zu lassen. Aber der Brief wurde abgefangen. Darauf bin ich stolz!"

Jörg Gebert, Schleife-Rohne "Anbei ein kleiner Beitrag den ich für würdig halte in die Annalen des DLF einzugehen. Es ist nur ein sehr kleiner aber doch sehr bezeichnender Beitrag in meinen Augen. DDR - 1968. Mein Vater, seinerzeit leitender Arzt in einer Dresdner Klinik hatte mich zu einem offiziellen Anlass mitgenommen. Ich war damals noch zu klein um zu wissen, dass auch hier eine gewisse Staatsraison herrschte, ich hatte noch nicht mal eine Ahnung, dass es so etwas überhaupt gibt und dass das Hören der falschen Sender kompromittierend sein könnte. Ganz wie zu Hause, wo regelmäßig der Deutschlandfunk lief, wie auch heute, pfiff ich versonnen aber offensichtlich gut vernehmbar das siebentönige Sendezeichen des DLF. Der Personenkreis unterbrach kurz die Gespräche, wandte sich mir zu und sah etwas entgeistert zu mir hinunter. Kurze Zeit Stille. Ich weiß nicht mehr wer es war, der in die Bresche sprang, jedenfalls sagte jemand: "… ja, ja, diese Großmütter…" und rettete die Situation."

H. Riess, Aachen  "Der DLF ist mir seit meiner Kindheit (Jahrgang 1964) immer ein Begleiter. In der ehemaligen "Zone" aufgewachsen, war es die wichtigste Informationsquelle. (...) Selbst während meiner Armeezeit hörte ich in der DDR MEINEN Deutschlandfunk. Dadurch, dass die Sicherheit alles notiert hatte, weiß ich heute noch aufgrund späterer Akteneinsicht, welche Sendungen ich wann und wo Mitte der Achtziger Jahre gehört habe. Nach meinen Umzug in das ehemalige alte Bundesgebiet gab es nur 2 Tage keinen Deutschlandfunk in meinen Leben. Grund: Da ich immer nur über bestimmte MW Frequenz gehört hatte, dauerte es eine Weile um im süddeutschen Raum die entsprechende UKW- Frequenz im Radio zu finden."

Hartmut Nasdala, Königswinter "Mein Briefchen soll eine  "Liebeserklärung" an Ihren Sender sein! Seit mehr als 40 Jahren höre und schätze ich den Deutschlandfunk als den am besten informierenden Sendern Deutschlands. In einem evangelischen Pfarrhaus in Görlitz (heute Ostsachsen) aufgewachsen und tagtäglich mit dem politischen Alltag der DDR konfrontiert, war es der DLF, der - durch seine Mittel-und Langwellenfrequenz relativ konstant zu empfangen - eine umfassendere Information ermöglichte. Jeder Tag begann mit dem  Morgenritual,  "Aus Ostberliner Zeitungen" mit Werner Dassui, Günther Lincke oder Karl-Wilhelm Fricke. Vergnüglich für mich als Jugendlichen war es, wie hier allmorgendlich die erbärmliche DDR Presse seziert und kommentiert wurde. Später als Student in Leipzig wurde dann der Sender zu meiner Hauptinformationsquelle; er blieb es auch in den nachfolgenden Jahren, als ich in anderen Orten der DDR lebte; und als ich 3 Jahre vor der Wende die DDR illegal verließ und mich in Bonn niederließ, zog es mich auf einer der ersten Fahrten nach Köln auch zum Funkhaus des DLF."

Ute Miller "Ich erinnere mich besonders gerne an Onkel Anton  und Tante Emma in Mecklenburg. (...)  Onkel Anton, der als Frühaufsteher jeden Morgen bei dem herrlichen Sommerwetter sich sein kleines Radio schnappte, es auf den wackeligen Tisch  vor dem Haus stellte und – nachdem er den DLF eingestellt hatte – auf volle Lautstärke drehte. Es war 7:00 Uhr am Morgen,  und  wir hörten : “Hier ist der Deutschlandfunk, sie hören die Nachrichten!” Ich bin ganz sicher, dass es unter den übrigen Bewohnern der anderen Häuser linientreue Genossen gab, aber niemand traute sich, Onkel Anton zu verpfeifen! (...) Ich bin damals heimgefahren mit dem Gefühl, einem echt mutigem Manne begegnet zu sein!!!"

Barbara Lange "Ich bin nur ein Jahr älter als der Sender, der mich seit meiner Kindheit begleitet. Geboren und aufgewachsen bin ich nahe Greifswald, also in der DDR. Es waren nur wenige, ganz bestimmte Minuten, die ich täglich möglichst nicht verpassen wollte: Die Temperaturmeldungen morgens und die Sendung "Aus Ostberliner Zeitungen" um 7.35 (?) nach den Nachrichten. Es war mir nicht wichtig zu erfahren, wie warm oder kalt es in Greifswald war, es war nur ein tröstliches Gefühl den Namen dieser Stadt jeden Tag neu aus der Welt zu hören, die uns verschlossen war.  Dieser eine Moment am Morgen, wenn u.a. die Temperatur aus Greifswald gemeldet wurde, hielt das Gefühl oder die Illusion? aufrecht, nicht vergessen zu sein.. (...) Besonders intensiv in Erinnerung geblieben sind mir diese Sendeminuten im September 1982. Als Studentin einer staatlichen Einrichtung (Uni Greifswald) musste ich ins ZV-Lager (Zivilverteidigung = paramilitärische Ausbildung), das im Kinderferienlager "Kim Il Sung" in Prerow (Darß) stattfand. Westradio war hier definitiv verboten, aber es fand sich eine geschützte Gelegenheit, den Deutschlandfunk zu hören."

Heino Groß "Ich muss wohl um die 12 Jahre alt gewesen sein, als ich um 1963 erstmals den DLF gehört habe - vor allem die Nachrichten in einem Gebiet, wo es keinen "Westempfang" gab. Noch heute sind mir die Frequenzangaben am Beginn jeder Nachrichtensendung gegenwärtig und viele Namen von Moderatoren und Korrespondenten. Besonders gern habe ich die Sendung "Aus Ostberliner Zeitungen" gehört. Das war schon spannend, wie manch diensthabender Redakteur die Blätter förmlich in der Luft zerriss. In besonderer Erinnerung ist mir dabei Werner Dassui, um den es in den Jahren vor der Wiedervereinigung still wurde. Inzwischen ist der DLF nach wie vor Pflichtprogramm für mich, besonders bei den Informationssendungen."

Helga Klein, Leipzig "Als gebürtige und noch heute hier lebende Leipzigerin ist der Deutschlandfunk  d e r  Sender, von dem ich die täglichen Nachrichten beziehe. In DDR-Zeiten war mir die 5-Uhr-Morgensendung "Aus Ostberliner Zeitungen" außerordentlich wichtig, indem die sozialistische Presse aus westlichem Blickwinkel dargestellt wurde. Ich erinnere mich noch gut, dass ich tief im Inneren die für damalige Verhältnisse abstruse Hoffnung verband, etwas zu erfahren, was das "System" in irgendeiner Weise beenden oder wenigstens verändern könnte.  Unvergeßlich ist mir z.B. auch, als ich während meiner beruflichen Tätigkeit in einem Verlag mittags plötzlich die Töne des DLF  vor den Nachrichten aus dem Nachbarzimmer hörte, in dem der Leiter der Abteilung und natürlich Genosse arbeitete!",

André Gebler "Nach dem Überfall der Warschauer-Pakt-Staaten auf die Tschechoslowakei 1968 wurde ich als zwölfjähriges Kind in die Geheimnisse des Radiohörens eingeweiht und belehrt, dass ich auf keinen Fall irgend jemandem erzählen solle, was zu Hause für ein Sender gehört wurde. Mehr und mehr entwickelte sich bei mir auch eine enge Beziehung zum Deutschlandfunk. (...) Aus dieser Zeit erinnere ich mich noch sehr gut der Sendung „Deutschlandecho“ um 19.00 Uhr und der darauffolgenden ausführlichen Nachrichten um 19.30 Uhr, die manchmal mehr als zehn Minuten dauerten. (...) Zweimal in meinem vorwendezeitlichen Leben bin ich von Vorgesetzten angefeindet worden, weil ich irgendwelche unvorsichtigen politischen Bemerkungen gemacht habe. Ich bin Lehrer, war nie in einer Partei, und ich denke auch, dass sich die Leute um mich herum denken konnten, wes Geistes Kind ich von meinen politischen Überzeugungen her war. Dass ich Deutschlandfunk gehört habe, ist auch in den Annalen meiner Stasi-Akte vermerkt."

Katja Facius "An dem folgenden Text arbeite ich gedanklich seit einigen Tagen. 50 Jahre Deutschlandfunk!? ERST 50 Jahre? (...) Ich bin 1972 in Leipzig geboren. Das Zeitzeichen, das jetzt hin und wieder über den Sender blitzt, ist mir annähernd in die Wiege gelegt. So lange ich denken kann, läuft der DLF morgens und nachmittags in der Küche, abends im Wohnzimmer. Ich durfte immer alles sagen, nur nicht, wenn Nachrichten liefen. Ich bin aufgewachsen mit Verkehrsmeldungen und Reiserufen - REISERUFE! "Herr Schröder, unterwegs in einem hellblauen Wohnmobil mit Bremer Kennzeichen in Richtung Adria möchte sich bei seiner Familie in Freiburg melden." Was mag da nur passiert sein? Ob Herr Schröder die Nachricht überhaupt erhalten hat? Ob jemand ein blaues Wohnmobil angehalten hat um den Fahrer zu fragen, ob er Schröder heißt? Verkehrsmeldungen: Ich habe 2 Mal auf der Autobahn geheult, weil ich auf Schildern Ortsnamen las, die ich seit frühester Kindheit aus dem Radio und nur aus dem Radio kannte. Im Leben hätte ich vor 1989 nicht geglaubt, jemals auch nur in die Nähe dieser Orte zu kommen. Köln, Raderberggürtel - diese Adresse ist eine Art Märchenort meiner Kindheit, genau wie Norderreihe, die Adresse meines Großvaters in Hamburg. Unerreichbar! Irgendwann werde ich staunend vor Ihrem Haus stehen. Wochentags wurde ich 6.30 Uhr geweckt. Die Morgenandacht und Presseschau gehören seit frühester Kindheit zu meinem Tagesbeginn. (...)  Richtig aufregend wurde es dann mit "Tagebuch, Notizen aus Ostberlin". War es immer um 16.50 Uhr, später von "Sternzeit" abgelöst? "Tagebuch, Notizen aus Ostberlin" - hat diese Sendung jemals eine Auszeichnung bekommen? Hat jemals ein Beitrag in Funk oder Fernsehen die Macht und Reichweite dieser Sendung betrachtet und gewürdigt? Ich weiß gar nicht, ob sich die DDR-BürgerInnen ohne diese Sendung auf die Straße gewagt hätten. Verhaftungen, Ausbürgerungen, gelungene und unterbundene Veranstaltungen und Demonstrationen - ich habe das alles aus dem DLF erfahren. (... ) Ich habe die gewagte Theorie, daß ostdeutsche DLF-HörerInnen sich heute noch gegenseitig "abklopfen", indem sie erfragen, ob der Gesprächspartner DLF hört. Ist das der Fall, kommt man sich schlagartig sehr viel näher, hat einen gemeinsamen Nenner, der oft eine gute Basis ist. Die gleiche Informationsquelle zu haben ist unschätzbar wertvoll."

Roland Tauschek, Nürnberg "Meine historischen Erinnerungen an den DLF fallen in die Zeit, als ich noch neben meinem Vater daheim auf dem heimischen Sofa saß und die unverwechselbaren Stimmen aus dem Radio drangen. „Beim letzten Ton des Zeitzeichens war es 13.00 Uhr. Hier ist der Deutschlandfunk, sie hören Nachrichten.“ Wie habe ich mich neben der Zusammenschau aktueller Nachrichten jedes Mal gefreut, wenn durch den Sprecher mitgeteilt wurde, dass einem Bürger der DDR die Flucht beispielsweise nach Niedersachsen gelungen ist. Ich ahnte damals in meinem noch jungen Herz, dass die Menschen sich nach nichts mehr sehnen, als nach Freiheit. Als ich dann ca. 13 Jahre alt war, habe ich mich am „Wettstreit nach Noten“, einer Sendung die immer Sonntag um 13.10 nach den Nachrichten kam, beteiligt. Leider sind meine Karten in Köln, Lindenallee 7 nie angekommen. Der SED-Staat hatte kurzerhand in die Weiterleitung meiner Post eingegriffen. Ich war darüber als Kind sehr traurig, was meine Ablehnung gegenüber dieser Staatsdiktatur förderte. In die schulische Vermittlung von Lerninhalten setzte vor allem dann der Staatsbürgerkundeunterricht das unbedingte Ziel, Schülerinnen und Schüler mit der Ideologie des Sozialismus apodiktisch zu konfrontieren. Dass hier gelogen wurde und die objektive Welt auf die Interessen der SED-Diktatur herunter gebrochen wurde, zog dann in der 10. Klasse eine „Lernverweigerung“ nach sich. Weil ich nicht die gewünschten Antworten gab, wurden Noten wie Fleiß und Mitarbeit bedenkenlos nach unten korrigiert. Doch neben der für mich kalten und unsympathischen Welt des Staatssozialismus gab es noch eine andere Welt, die ich eben via Radio empfing. Den Deutschlandfunk."

Ulrike Groß, Magdeburg "Am 10. November 1989 morgens 6.15 Uhr wurde ich vom Radio-Wecker mit dem DLF geweckt, doch die Berichte über die Maueröffnung klangen doch gar zu utopisch. Im ersten Moment hatte ich das Gefühl: Das kann gar nicht wahr sein, sie machen ein Feature mit einer Phantasie-Berichterstattung über etwas, was der Wunsch sehr vieler DDR-Bürger war, aber das ist nicht die Wirklichkeit. Einige Monate vorher hatte ich mich beim Radio-Hören mal sehr über mich selbst geärgert, an einem Sonntagvormittag (das könnte aber der Norddeutsche Rundfunk gewesen sein) kam eine Sendung, in die ich mich reinschaltete – und ich wurde sehr neugierig: der Papst hatte seine Funktion als Stellvertreter Gottes freiwillig aufgegeben und wollte ab sofort nur noch als einfacher Priester tätig sein, begeisterte Menschen wurden interviewt, bis ich am Schluss der Sendung merkte, dass das ein Feature war, eine mit Mitteln des Radios wie wirklich gestaltete eventuelle Zukunftsvision. Ich habe mich über mich selbst geärgert, weil ich während der Sendung geglaubt hatte, dies wäre Realität. Genauso fühlte ich mich also am frühen Morgen des 10. November 1989, bis ich mich selbst ermahnte: Du hörst den Deutschlandfunk, und was senden sie morgens zwischen 6 und 9 Uhr? Reportagen aus Deutschland und der Welt, aber kein Feature! Halte aus bis 6.30 Uhr, bis die Nachrichten kommen, und wenn dort auch vom Mauerfall berichtet wird, dann muss es ja stimmen, der Deutschlandfunk wird dich ja nicht belügen! So habe ich über den Deutschlandfunk von der Maueröffnung erfahren. Danke sehr dafür!"

Jürgen Wünschmann, Dresden "Der Arbeitstag in der DDR war lang und begann in der Regel bereits früh um 6.30 Uhr, auch im Büro. Dazu gehörte immerhin eine (unbezahlte) Frühstückspause gegen 9.00 Uhr. In unserem Dresdner Büro wurde dann immer rechtzeitig ein rotes(!) Taschenradio aus dem Schreibtisch geholt und "Aus Ost-Berliner Zeitungen (zitiert und kommentiert...)" gehört. Zur körperlichen die geistige Stärkung, um den realsozialistischen Alltag zu überstehen. Der Kollegenspruch dazu lautete: "Wo Rot drauf ist, muss nicht Rot drin sein!"

Christian Rada, Schwedt "Ich bin seit meiner Lehrzeit (1961-64) regelmäßiger Hörer des DLF. Früher war es der aktuelle Plattenteller; doch das drehte sich immer mehr in Richtung politische Information. Das war damals nicht ganz ungefährlich, da ich in einem Lehrlingswohnheim in der DDR wohnte. Es war uns offiziell untersagt „Westsender“ zu hören. Bei Nichtbefolgung drohte Ausweisung aus dem Lehrlingswohnheim und schlimmstenfalls Auflösung des Lehrvertrages. Der DLF hat meine politische Meinungsbildung schon frühzeitig geprägt und auch mit dazu beigetragen dass ich nicht so ein verblendeter Staatsdiener geworden bin. Mittlerweile bin ich nun schon Rentner aber der DLF ist immer noch mein Radiosender Nr.1."

Ute Seibt, Jena "Sehr geehrte Damen und Herren Mitarbeiter meines Lieblingssenders Deutschlandfunk, da ich bis 1989 im absoluten "Tal der Ahnungslosen" (Görlitz) lebte, war der Deutschlandfunk schon damals für mich regelrecht essentiell. Auch nach meinem Umzug nach Jena bin ich ihm treu geblieben und er ist mein ständiger Begleiter.  Die Nachrichtensprecher und Moderatoren erkenne ich schon an ihrer Stimme. Bleiben Sie, wie Sie sind, und vor allem sich treu !"

Bettina Franke, Deutschneudorf/Erzgebirge "Ich wurde Ende der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der tiefsten DDR, an der ältesten Grenze Europas, zwischen Sachsen und Böhmen, im rauen, aber auch schönen, silbernen Erzgebirge, in einem kleinen Dorf geboren. Sobald ich laufen konnte, besuchte ich regelmäßig meine Großeltern, die nur ca. 500 Meter von meinem Elternhaus entfernt wohnten. Ich bekam so viel von den Gepflogenheiten meiner Großeltern mit. So schaltete mein Opa immer zur vollen Stunde das Radio ein um die Nachrichten zu hören. Meistens wurde dann das Radio anschließend wieder ausgeschaltet. Bis heute kann ich mich noch gut an das Anfangssignal erinnern. Als ich in die Schule kam und uns der Marxistisch-Leninistische Lehrplan wie ein Mantra eingetrichtert wurde, hörte ich durch Zufall einem Bericht aus dem Radio, dass Lenin die meisten Rolls Royce außerhalb Englands besaß. Das war nun das genaue Gegenteil von dem, was wir in der Schule lernten. Ich fragte meinen Opa, was hörst du denn überhaupt für einen Sender. Er schaute kurz, sagte aber dann: „das ist der Deutschlandfunk.“ Ende der 60er Jahre bekam ich mein erstes eigenes Kofferradio. Im Abgleich mit dem Radio meines Opas fand ich dann recht schnell die Frequenz des Deutschlandfunks. Von da ab begleitet mich der Sender bis heute."

Katrin Noack "Ich bin in Leipzig aufgewachsen und bei uns zuhause wurde nur Deutschlandfunk oder Radio Luxemburg gehört. Während meine Mutter ihr Gehör auf Radio Luxemburg trainierte, bei uns nur zu hören auf Mittelwelle, hörte ich lieber Deutschlandfunk. Einmal in der Woche stellte ich meinen Mono-Kassettenrekorder auf Aufnahme um vom aktuellen Plattenteller aufzunehmen, so entstanden meine ersten Udo Lindenberg Kassetten. Ich bin Ihren Sender bis heute treu geblieben."

Erik Thiem, Dresden "Stets beeindruckend waren für mich und meine Freunde, beginnend in den Sechziger Jahren, die satirischen und bissigen Kommentare von Werner Dassui über die Zustände und die verlogene Berichterstattung in der DDR."

Jutta Schlechter, Haldensleben "Lieber "Deutschlandfunk", unsere Radios - im Haus und im Auto- sind alle auf "Deutschlandfunk" eingestellt! Extra dafür haben wir eine UKW-Antenne unter dem Dach! Ohne DLF im Hinter- oft auch Vordergrund- geht es kaum! Ich gratuliere zum Jubiläum und gestatte mir einen ganz persönlichen Rückblick: Ich bin 54 Jahre alt und ich arbeite als Lehrerin für Ökonomie an einer staatlichen Fachschule in den so genannten "neuen Bundesländern". Das Hören des Deutschlandfunks war für uns in der abgeriegelten, spießigen, unerträglich absurden DDR-Gesellschaft essentiell - genauso wie das damals verunglimpfte "Westfernsehen". Ich bin davon überzeugt, dass gerade diese Medien erhebliche Anteile daran haben, dass wir die pralle, freie und pluralistische Alternative zu unserem grauen, grotesken DDR- Alltag nicht vergaßen. Dafür kann man nicht genug dankbar sein!"

Gerhard Pohl "Seit Jahrzehnten begleitet Ihr Sender meinen Tagesablauf. Er vermittelte mir als nicht freiwilligem Bürger des „anderen deutschen Staates“ in den schweren Jahren des Isoliertseins durch die Inhalte der Sendungen das Bewusstsein, nicht gänzlich vergessen und verlassen zu sein. Ihr Sender war mir und vielen Anderen in gleicher Lage emotional von einer Bedeutsamkeit, die mit der Vereinigung unseres Landes erfreulicherweise entfallen ist. Ihr Sender überzeugte aber weiterhin durch sachliche Berichterstattung und Kommentierung zu politischen, kulturellen, sportlichen und religiösen Ereignissen, sodass er von mir auch danach der meist gewählte Sender blieb."

Marianne Thomas, Rostock "Ganz besonders wertvoll waren Ihre Sendungen nach der Wende, in denen Sie morgens jeweils zu einem Thema aufklärten: Versicherungen, Krankenversicherung usw.  Und das hat mir sicherlich auch geholfen, keine unnützen Verträge einzugehen und alle Angebote immer etwas skeptisch zu betrachten. Aber noch etwas war für mich und meine Familie von Bedeutung. Mein Vater war Mathe- und Physiklehrer, aber nicht Mitglied der SED. Und bei uns zu Hause wurde stets der Deutschlandfunk gehört. Allerdings sprang immer die ganze Familie auf, wenn das berühmte Pausenzeichen gesendet wurde, um das Radio leise zu stellen. Tatsächlich wurden meine Eltern von einer damaligen Hausbewohnerin denunziert, mein Vater mußte sich beim Schulrat einfinden und wurde gefragt, ob denn seine Familie West- bzw. Hetzsender höre. Da unsere Hausbewohner das ja gehört hatten, konnte er nicht leugnen, mußte aber "freiwillig versprechen", diesen schlechten Einfluß auf seine Kinder (wir gingen damals zur Erweiterten Oberschule) zu unterbinden. Wir haben den und andere Westsender natürlich weiterhin gehört, aber sind reflexartig aufgesprungen, wenn das Pausenzeichen wieder einmal ertönte. Und dieser Reflex "sitzt" noch heute."

Olaf Draheim, Dresden "Als ich sieben Jahre alt war konnte ich bei meinen Eltern im Wohnzimmer auf dem Radio die Sender aus aller Welt lesen. Dort stand auch der Deutschlandsender drauf. Als wir dann im Jahr 1973 meinen Onkel in Wurzen besuchten, hörte ich dort das erste mal das Sendezeichen des Deutschlandfunks. Mein Onkel versuchte mir kindgerecht den Unterschied zu erklären. Es weckte meine Neugier und als ich mit acht Jahren ein Kofferradio geschenkt bekam, habe ich oft abends im Bett die Sendungen des Deutschlandfunks gehört. Ich glaube, dass dies auch etwas zu meiner politischen Haltung beigetragen hat. Heute sind für mich die Kommentare am Abend außerordentlich wichtig, um mir meine Meinung über den Alltag zu bilden."

Werner Maschke "Mir läuft immer wieder ein Schauer durch den Körper, wenn ich im Rahmen Ihrer jetzigen 50Jahr-Feier das alte, traditionelle Sendezeichen höre. Ich hätte es nicht für möglich gehalten was diese sieben Töne heute in mir für Gefühle auslösen und immer wieder Erinnerungen wach werden lassen. Ich wohnte mit meinen Eltern in Leipzig und im Radio lief oft der Deutschlandfunk. Meine Erinnerungen beginnen in den sechziger Jahren, als wir sonntags um die Mittagszeit am alten Röhrenradio gemeinsam die "Lustigen Musikanten" gehört haben. 1968 habe ich mir ein Kofferradio gekauft, welches ich bei einem Familienausflug im August jenes Jahres dabei hatte. Wir hörten beim Wandern in der Ferne eigenartige unheimliche Geräusche, die wir uns nicht erklären konnten. Die Nachrichten im DLF brachten uns dann die erschütternde Nachricht vom Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei. Was wir gehört hatten waren die Panzer auf dem Weg dahin."

H. Segadlo, Bautzen. "Als jetzt 67-jähriger und ehemaliger ostdeutscher Hörer des Deutschlandfunks gab es natürlich viele wegbegleitende Stunden, die ich bis zum heutigen Tag nicht missen möchte. Mit Beginn meiner Lehre verstand ich im zunehmenden Maße die politische Botschaft des Senders in Richtung Osten. Von meinem Lehrlingsgeld kaufte ich mir damals einen gebrauchten Mittelwellenempfänger. Als Antenne verwendete ich eine textile Wurfantenne, die mit einer Kupferlitze versehen war. Die Wurfantenne verknüpfte ich in meinem Schlafzimmer wie eine Wäscheleine und war gespannt, wie die Empfangsqualität wohl sei. Oh du Schreck, der Deutschlandfunk wurde im Raum Dresden vom nahen Störsender "Wilsdruff" auf allen beiden Frequenzen gestört. In der Folgezeit gab es ab und an ein Zeitfenster wo die Intensität des Störsignals so schwach war, dass man mit dem Lautsprecher am Ohr zumindest die Nachrichten hören konnte. Mit dem Kauf eines neuen Radios mit  einer  Langwellenfrequenz verbesserte sich die "Abhörsituation" wesentlich."

Rainer Bieber, Kurort Seiffen "Im Herbst 1989 war auch im Erzgebirge einiges von den Spannungen zu spüren, die den ostdeutschen Staat erschütterten. (...) In dieser Zeit hörte ich natürlich besonders gerne den Deutschlandfunk in meiner Werkstatt. Dieser Sender wurde mir zu einer unverzichtbaren Informationsquelle. Am 18.Oktober hatte ich wieder einmal eine eintönige Arbeit zu erledigen und lies mich gerne durch die Sendungen ablenken. Da wurde auf einmal die übliche Vormittagssendung unterbrochen, um ein aktuelles Ereignis zu vermelden: Erich Honecker ist von seinen Ämtern zurückgetreten !! Als ich diese Nachricht hörte wurde mir klar, dass es für den alten DDR- Staat keine Zukunft mehr geben würde, denn mit diesem Rücktritt war nun kein Halten mehr für die alte Diktatorengarde. In meinem kleinen Arbeitsraum spürte ich auf einmal einen Wind der Veränderung wehen, der sogar unser kleines und nach außen abgeschottetes Land ergreifen konnte. Ich fragte mich, ob dem Nachrichtensprecher wohl bewusst war, welche Nachricht er da verkündete, denn im „Westen“ waren ja Rücktritte nichts Ungewöhnliches. In unserem Staat aber wurde nicht zurückgetreten, schon gar nicht als Staatsoberhaupt. (...) So wurden durch diese unverhoffte Nachricht  verschiedene Empfindungen in mir wachgerufen, die ich mir bis dahin selten erlaubte, um nicht umso schwerer enttäuscht zu werden"

Marina Augustin, Dresden "Schon seit meiner Oberschulzeit in der DDR höre ich von Anfang an Ihren Sender, damals heimlich, denn wir mußten unterschreiben, keine Westsender zu hören. Der DLF war für mich und meine Freunde in Dresden die einzige West-Verbindung mit den Sonntagsgrüßen von Ost nach West, die schon Ritual waren, und den freien Berichten, Reportagen und Nachrichten. Dieser Sender begleitet mich seitdem mein ganzes Leben lang, ich kann auch gar keinen anderen Sender ertragen. Großartig war es zu erleben, als man endlich nach der Wende den DLF auf UKW empfangen konnte, ein Genuß nach all den Jahren Mittelwelle!"

Ronny Kabus, Deutsch Evern "Als DDR-Bürger habe ich seit 1970 allmorgendlich während der Morgentoilette in Vorbereitung auf den sozialistischen Alltag mit großer Freude und Spannung den Deutschlandfunk gehört und ihn, als Görlitzer am östlichen Rand Deutschlands im Tal der Ahnungslosen wohnend, als informatives Medium sehr geschätzt. Im Zusammenhang mit der Biermann-Ausbürgerung landete ich nach beruflichen Beschränkungen mit meiner Familie schließlich in der Lutherstadt Wittenberg, wo ich 11 Jahre in der Lutherhalle Wittenberg als wissenschaftlicher Mitarbeiter, stellvertretender Direktor und amt. Direktor von 1978 bis zu unserer Ausreise in die Bundesrepublik vor der Wende 1989 tätig war und hier in Mitteldeutschland auf sehr viel umfangreichere Informationsmöglichkeiten als in Görlitz traf. Auch heute noch bewahre ich mir die Gewohnheit, morgens im Bad und am Frühstückstisch, den Deutschlandfunk zu hören."

Dieter Eckert "Ich kann Ihnen berichten, dass ich den DLF bereits 42 Jahre höre und das fast täglich. Ich danke Ihnen für die vielen interessanten Beiträge und für die Informationen an die ehemaligen DDR Bürger. Es war nicht immer leicht, den DLF zu empfangen. (...)  Diese E-Mail möchte ich noch dazu zum Anlass nehmen, Ihnen mal was zum Schmunzeln zu berichten. Meine berufliche Tätigkeit als Oberbauleiter in einem größeren staatlichem Baubetrieb in Halle an der Saale versetzte mich in die Lage, ein Dienstauto vom Typ Lada fahren zu dürfen. Und nun die kleine Geschichte. Da alle Dienstautos mit Funk ausgerüstet waren, waren alle sechs Oberbauleiter über Funk ständig zu erreichen. Nach einem Dienstgespräch in der Kombinatsleitung erhielt ich einen Funkanruf mit fast wörtlichem Inhalt: Dieter bring bitte mal den Parteisekretär mit zu uns (in den Straßenbaubetrieb). Er wartet schon auf dich. Nachdem ich ihn gefunden hatte und er in das Auto eingestiegen war, kam es zu einer kurzen Unterhaltung und in der Höhe Thälmannplatz (heute wieder Riebeckplatz) habe ich das Radio eingeschaltet und hatte dabei vergessen, dass ich den DLF drauf hatte. Prompt kamen die Nachrichten. Der Kombinatsparteisekretär verzog die Augenbrauen und legte mir dar, dass ich das Radio auszuschalten habe. Zwanzig Minuten später musste ich beim Betriebsdirektor und dem Parteisekretär antanzen!"

Michael Queitsch "Ich höre den DLF seit 1963, (ich bin Geburtsjahrgang 1954). Vorher wurde RIAS und/oder SFB auf MW und KW gehört. Gern erinnere ich mich an das Schlagerderby, montagabends (20:00?). Als ich mal (1973) den Wunsch nach der Erkennungsmelodie dieser Schlagerparade brieflich äußern wollte, wurde ich mit diesem Brief an der deutsch-tschechischen Grenze geschnappt und von der Stasi mehrere Stunden verhört. Delikt: Illegale Kontaktaufnahme zum Feindsender. Der Versuch, mich damit zur Mitarbeit zur Stasi zu erpressen, schlug fehl. Ich hatte mich zwischenzeitlich mit meinem Pfarrer unterhalten, der mir auf den Weg mit gab: "Du musst klar und fest Deine Entscheidung vertreten, rumeiern bringt nichts. Sehr gut fand ich den durchstrukturierten Programmaufbau. Auch ohne Programmzeitung wusste man, was wann gesendet wird."

Hans-Peter Dahnke, Rostock "Eigentlich begleitet mich der Deutschlandfunk bzw. sein „Vorläufer“ ein Leben lang. Ich kann mich noch an den Deutschen Langwellensender (oder so ähnlich, auch einfach „Versuchssender“ genannt) als „Vorgänger“ des DLF erinnern. Wir waren in der DDR ja im Äther „Pfadfinder“. Keine so wie heute schnell im Internet zu findenden Frequenzen! Nein, durch Zufall oder durch interne Infos fanden wir dann „Westsender“, die unterschiedlich zu hören waren: Tagsüber oft gar nicht, abends vielleicht und dann gestört durch Störsender des „Arbeiter-und Bauern-Staates“. Eindrücklich war auch, wenn sich dann ein Sender des „großen Bruders“ auf die Frequenz des NWDR legte und sein „govoritn moskva“ und das „Kreml-Signal“ durch den Äther schleuderte. So hörten wir als Kinder und Jugendliche des Arbeiter-Bauern-Staates die Sender der „BBU´s“ (böse Bonner Ultras). So viel ein kleiner Exkurs zum Rundfunkhören in der frühen DDR."

 

 

Mein DLF

Private HörerlebnisseMein DLF

Ihre Lieblingsmomente beim Deutschlandfunk

Zu unserem Geburtstag am 6.1.2012 hatten wir uns Ihre Erinnerungen gewünscht. Viele Hörerinnen und Hörer haben uns diese Bitte erfüllt! Ergebnis ist eine umfangreiche Sammlung von Erinnerungen an besondere Momente. Es gab außerdem Lob und Kritik, Vorschläge und Anregungen.

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Nachrichten

MANUSKRIPT-ARCHIVFünf Jahrzehnte im Spiegel der Nachrichten

Am 1. Januar 1962 um 16 Uhr meldete sich der Deutschlandfunk erstmals im Äther, und zwar mit einer Nachrichtensendung. Dies war kein Zufall, denn die Information im Allgemeinen und die Nachrichten im Besonderen waren prägend für das Programm – und sind es noch heute. Wir haben für Sie einige Originalmanuskripte der Nachrichtenredaktion zusammengestellt:

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Radio-Pannen

TON-ARCHIVDumm gelaufen

Zum Jubiläum öffnet der Deutschlandfunk zum ersten Mal sein wohlgehütetes Pannen-Archiv.

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Diskurs

DEBATTENPORTALIhre Meinung ist gefragt

Diskurs@Deutschlandfunk vor dem Start

Anfang Januar lud der Deutschlandfunk zur Konferenz "Der Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt" ein. Zwei Tage diskutierten Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Medien im Kölner Funkhaus. Diese Diskussion wollen wir nun im Internet fortsetzen.

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Kongress

NACHBEREITUNGDer Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt

Diskussionen und Keynotes zum Nachhören

Wie verändern Digitalisierung und Globalisierung Politik und politische Kommunikation? Dieser Frage ging der Deutschlandfunk gemeinsam mit der Bundeszentrale für politische Bildung am 6. und 7. Januar in einer Konferenz nach. 

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Geschichte

ZUM 50. GEBURTSTAGWertvoll und unverzichtbar

Am 1. Januar 1962, 16.00 Uhr, hielt Gründungsintendant Hermann Franz Gerhard Starke eine kurze Ansprache, es folgten die ersten Nachrichten. Der Deutschlandfunk war auf Sendung.

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Medienstimmen

Glückwünsche der AnderenBastion der Relevanz

Da der Deutschlandfunk zahlreiche Journalisten zu seinen Hörern zählt, überrascht es kaum, dass der runde Geburtstag ein starkes Medienecho findet – überwiegend in Form von Lobliedern. Grund genug, einige der jubilären Presseartikel in einer außerplanmäßigen Presseschau zu sammeln.

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Quiz

PREISRÄTSELWas wissen Sie über den Deutschlandfunk?

Sie hören täglich den Deutschlandfunk und kennen seine Geschichte aus dem Eff-Eff oder Ihnen liegt das Lösen kniffliger Aufgaben im Blut? Dann ist unser kleines DLF-Quiz ein Kinderspiel für Sie. Den Gewinnern winken 50 attraktive Preise. Das Los entscheidet.

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Video

VIDEO-ARCHIVDeutschlandfunk im Bewegtbild

Funkhausbau, Einweihung der Studios, die tägliche Arbeit – vielfach haben Kameras die Arbeit der Redakteure im Funkhaus begleitet.

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Sendezeichen

NEUE DLF-REIHEAkustische Funde aus 50 Jahren Deutschlandfunk

Sendezeichen - gemeinhin steht dieses Wort als Synonym für das in digitalen Zeiten fast ausgestorbene Pausenzeichen eines Rundfunk- oder auch Fernsehsenders. In einem 24-stündigen Programmablauf, der auf die Sekunde durchgeplant ist, erscheint es heute wie ein - allerdings grundsympathisches - Relikt des letzten Jahrhunderts.

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